Gleichgeschlechtliche Gedanken von Mann zu
Mann waren nicht nach Johannes' Gusto. Es erregte ihn, wenn Frauen sich liebten
und Leidenschaft für einander empfanden, aber das hatte natürlich eine
männliche, sexuelle Gefühlskomponente - etwas Voyeuristisches.
Er befürchtete zunächst, dass latent
vorhandene homoerotische Neigungen sich seiner im Alter bemächtigten, wie bei
Thomas Mann. Aber da er mehr Dokumentarist als Romancier war, beschloss er der
Tatsache eher nüchtern auf den Grund zu gehen, als sie schriftstellerisch zu
verarbeiten.
Weshalb interessierte er sich seit seiner
Ankunft in Tel Aviv immer stärker für den jungen Mann, der in seiner Pagen-Uniform die Auto-Türen für
die an- oder abreisenden Gäste öffnete? Diese Uniform und das lächerliche
flache Käppi standen in einem absurden Kontrast zu der athletischen
Gesamterscheinung des Mannes: 1,90 Meter groß, lange, nicht zu schwere
Muskulatur - eher ein Triathlet denn ein Zehnkämpfer - aber sein Haupt - nein man
konnte wirklich nicht profan von einem Kopf sprechen - sorgte dafür, dass man
den perfekten Körper nur sekundär als Präsentationsplattform wahrnahm.
Bis
dahin hatte Johannes immer gedacht, kein realer Mann aus Fleisch und Blut würde
jemals an die Perfektion von Michelangelos David heranreichen. Dieser Türöffner
übertraf ihn. Profan, die Züge als gemeißelt zu bezeichnen! Dieser Mann war nach
der Genealogie von Johannes quasi exemplarisch für die Kategorie „Mann“.
Es gibt eine Form des Ebenmaßes, die zu schön
ist, ja störend. Hier konnte noch nicht einmal das Käppi etwas zerstören. Nicht
die kurzen Naturlocken, die rötlich braun bis blond nur ganz wenig in den
langen Nacken reichten und die hohe Stirn nur leicht gewellt begrenzten. Ja ein
wenig erinnerte er an den jungen Paul Newman in Exodus. Ein Bilderbuch-Sabre
der Haganah also? Dieses unermüdliche Lächeln ließ jedoch gar nicht erst eine
Idee von leidenschaftlicher Gewaltbereitschaft aufkommen.
Der
Kongress befasste sich in seinen Referaten und Workshops, den Encounter-Gruppen
und Brainstormings mit realisierbaren Maßnahmen zum Schutz eines Tourismus, der
in Folge von „Nineeleven“ zunehmend ins Fadenkreuz des weltweiten Terrorismus
geraten war. Da er in einem anderen Gross-Hotel stattfand und der Tagesablauf
dadurch immer Lücken hatte, kam Johannes an manchen Tagen bis zu zehn Mal dazu,
dieses Lächeln zu beobachten.
Es war
keineswegs eingefroren, sondern wurde von „memorierender Beobachtungstechnik“
individuell abgerufen. Und auch die englischen Floskeln, die es jeweils
begleiteten, variierten und entsprachen dem jeweiligen Habitus des Gastes, dem
die Autotür geöffnet wurde: Vom einfachen "Sir!" über "take
care!" zum individuelleren "have a nice day" und "enjoy your
evening".
Johannes, der sich immer darüber Gedanken
machte, ob Menschen ihr Leben am richtigen Platz erlebten oder am falschen
fristeten, überlegte zweierlei: Ob man so etwas einstudieren könne und wenn ja,
wieso ein Kerl, der auf Titelbilder oder in einen Schmachtfilm gehörte, als Dauerlächler
arbeitete. Karim - dass er so hieß, konnte man von dem blank polierten
Messingschildchen an der linken Livreebrust ablesen - schien einfach nicht
echt, und deshalb beschloss Johannes, mehr über ihn heraus zu finden.
Am ersten freien Tag während des Kongresses
richtete er es so ein, dass er Karim viel beobachten konnte. Es beruhigte ihn,
dass sein Interesse doch nicht homoerotischen Neigungen entsprang, sondern der
Tatsache, dass ihm etwas aufgefallen war, das er bei den unmittelbaren
Begegnungen nicht gesehen, sondern nur instinktiv wahrgenommen hatte.
Wer
Karim begegnete, hatte sich entweder gerade ins Auto gesetzt oder wollte gerade
aussteigen. Von unten sahen die dann vorrangig seine markige zum Lächeln
geformte Kinnpartie, die mit einem sprach, aber sie sahen die Augen nicht.
Karims Augen lächelten nicht mit - nie. In einem englischen Genre-Roman hatte
Johannes einmal die Formulierung gelesen: Sein Lächeln erreichte die Augen
nicht...
Karim hatte vier mal zwei Stunden Dienst,
dazwischen genauso lange Pausen, die er zu konsequentem Training nutzte.
Johannes lächelte innerlich über die Richtigkeit seiner Mutmaßung: Wenn der
Page auf der Uferpromenade am Meer in seinem Triathlon-Suit lief oder auf
seinem Bike in der Gluthitze den Radweg nach Jaffa hinunter düste oder seine
Strecke im Mittelmeer schwamm, war es nach getaner Pflicht genau so: unten im
Gesicht ein Lächeln oben ein Blick, der auf ein Ziel in der Ferne konzentriert schien.
Die Schlussveranstaltung des Kongresses fand
wegen des Sabats am Sonntagabend statt, und so beschloss Johannes den Morgen am
Strand zu verbringen. Nach seiner Schwimmroutine zwischen den ersten beiden
Pagen-Perioden stieg Karim unweit von ihm aus dem Wasser, und er beobachtete,
wie die aufregendsten Strandschönheiten ihren Klatsch und Tratsch unterbrachen,
um schweigend dieses maskuline
Bewegungsspektakel zu beobachten. Karim schien das geballte, urinstinktive
Verlangen gar nicht wahr zu nehmen, obwohl er im Vorbeigehen wieder sein
individuelles Lächeln verschenkte. Ob die Frauen auf seine Augen geachtet
haben?
Am Nachmittag wollte Johannes in seine
klimatisierte Hotelsuite flüchten, doch auf dem Übergang von der
Strandpromenade zum Hotel-Pool nach dem Security-Check kauerte Karim im
Halbschatten und las. Johannes fragte ein wenig scherzhaft, ob es ihm heute zu
heiß zum Laufen sei und setzte sich ungefragt. Da fiel sein Blick auf das Buch
in den Händen des Athleten. Es war nicht in Hebräisch, sondern in Arabisch und
es war unverkennbar der Koran. Karims Lächeln war "off-duty", und die
Stille hätte nicht peinlicher sein können.
Als er am Montag abreiste, richtete Johannes
es so ein, dass er bevor seine Limousine zum Ben-Gurion-Airport vorfuhr, einige
Sätze mit Karim wechseln konnte. Er wollte ihm erzählen, dass er einmal mit
einem Namensvetter von ihm über Java gereist war, als Ausländer dort noch nicht
selber ein Auto lenken durften. Dass ihm - dem Agnostiker - die Rücksichtnahme
auf die Tagesabläufe seines streng gläubigen muslimischen Fahrers sehr gut
getan hätten. Dass sogar am Ende der Reise eine Art Kumpanei entstanden sei. Karims
Lächeln war bei dieser Schilderung zwar wieder
eingeschaltet, aber die leicht schwimmenden, bernsteinmarmorierten Augen
waren kälter als das Fallbeil der Hotel-Klimaanlage im Eingangsbereich.
Johannes
würde diesen Kontrast nie vergessen, und wieder ein Zufall(?): Er würde die
Augen bald wieder sehen - zwar in einem anderen Männerkopf - und er würde Karim
wieder sehen - allerdings nicht mehr von Angesicht zu Angesicht - und ohne
dieses Lächeln...
Vielleicht hätte
Mounir El Motassadeq sich nicht so provozierend den Fernsehkameras stellen
sollen. Vielleicht hätte Johannes aber auch etwas weniger aufmerksam die
Tagesthemen anschauen können. Im ersten Bericht der Tagesschau hatte sich
Johannes nur über diese unglaublich eitle Arroganz geärgert, mit der der
Marokkaner seine vermeintliche Unantastbarkeit zur Schau stellte. Immerhin
wurde ihm in diesem Berufungsverfahren erneut logistische Beihilfe zur Vorbereitung auf die Anschläge am 11.
September 2001 zur Last gelegt. Und das von einem Rechtssystem, das - wie man
gerade bei Prozessen gegen Islamisten verfolgen konnte - es sich zweimal
überlegt, ehe es bei weltpolitisch riskanter Sachlage, Anklage erhebt.
Fünfzig Jahre lang
war Johannes in Länder des Islams gereist und hatte durch eigenes Erleben und
Anschauung erfahren, wie Wenige, die die Lehren Mohammeds willkürlich
auslegten, bei vielen immer fanatischere Reaktionen hervorriefen: Die Fatwa
gegenüber unbequemen Schriftstellern, weltweit organisierte Volkserhebungen bei
kritischer Meinungsäußerung gegenüber dem Islam, vor allem aber physische
Gewaltbereitschaft. Keine Sure heißt den Märtyrertod in Selbstmordanschlägen
gut, und Geiselnahmen beziehungsweise Akte von Erpressung und Nötigung werden
sogar ausdrücklich verdammt und dennoch gelten sie als "heilige Waffen"
in diesem religiösen Terror der Feigheit.
1984/85 gegen Ende
der Marcos-Atministration auf den Philippinen hatte sich Johannes in Zamboanga
auf Mindanao auf eigenen Wunsch von der Moro National Liberation Front (MNLF)
für 12 Stunden "entführen" lassen, um mehr über den permanent
schwelenden Konflikt der Moslems mit Manila zu erfahren. Nicht weil er ins
Lager der politischen Reporter wechseln wollte, sondern weil es darum ging, die Sicherheit für staatlich
geförderte, touristische Interessen zu sondieren. Er war dabei jenseits der
Strait of Basilan in die "Obhut" eines Clans geraten, der den Mantel
des Islams moralisch über einen blühend diversifizierten Geschäftsbetrieb aus
Schmuggel, Piraterie und Geiselnahme gebreitet hatte. Hätte das
Außenministerium seinen Artikel damals ernst genommen, wäre das Geiseldrama im
April 2000 um die deutschen Touristen von einer malaiischen Tauchbasis auf die
Insel Jolo möglicherweise zu verhindern gewesen. Aber das war nur der
vergleichsweise harmlose Auftakt im erpresserischen Tagesgeschäft der
Geiselnahme gewesen, das dann vor Videoaufzeichnungen von Enthauptungen als
Gipfel der Grausamkeit nicht mehr zurückschreckte.
Und nun stand also
so einer dieser selbst ernannten Krieger Allahs vor deutscher Gerichtsbarkeit
und schaute überheblich in die auf ihn gerichteten Kameras, als wolle er die
Toleranzgrenze dieses in puncto Intoleranz so
schuldbeladenen Deutschen Volkes auf
die Probe stellen. Johannes konnte sich den Mann nicht länger anschauen,
deshalb studierte er die Menschen im
Hintergrund der Szene, die sich so etwas auch noch live ansahen. Dabei blieb
sein Blick während des Kameraschwenks an einem sehr markanten Kopf hängen, der
ihm bekannt vorkam. Die Einstellung war nur zu schnell vorüber, um die
Erinnerung gleich ausreichend zu mobilisieren...
Schöne neue Zeit
des Internets: Was der Zuseher im Fernsehen versäumt hatte, konnte er nun auch
von den Homepages der Sender in vielen Variationen herunter laden. Und das tat
Johannes dann auch bei den anderen Nachrichten-Formaten, um sicher zu gehen.
Zwei-, dreimal spielte er die Sequenzen ab, ließ die stark gepixelte Bilder
einfrieren, machte Screenshots und
vergrößerte und verdichtete sie, bis er sich sicher war: Der Mann in der
zweiten Reihe der Prozessbeobachter mit dem kahlrasierten Schädel, dem
dreiteiligen Nadelstreifen-Anzug und dem waagerecht unterteilten Gesicht aus
leicht grinsender Kinnpartie und todeskalt erstarrten Augen unter hoher Stirn,
war die glatzköpfige Fleischwerdung von Michelangelos David; jener statuarisch
schöne Mann, der Johannes bei einem Kongress in Tel Aviv als Hotelpage vor
geraumer Zeit so oft freundlich lächelnd die Autotür aufgehalten hatte...
Ein weniger
paranoid veranlagter Mann als Johannes wäre mit der Überlegung zur Tagesordnung
übergegangen, bei dem Karim von damals habe es sich um einen Studenten
gehandelt, der den Pagenjob zur Aufbesserung seines Budgets verrichtet hatte.
Aber dieser Version widersprachen hunderte von Details, die das Elefantenhirn
des Reporters abgespeichert hatte und die jetzt im Schnelldurchlauf an seinem
inneren Auge vorbei zogen.
Schmetterling
Johannes schlug also mit seinen Flügeln, indem er Peter Kühn anrief, und wenn
er später ganz ehrlich war, dann stellte dieser vermeintliche
Nebenkriegsschauplatz nichts weiter als einen Vorwand dar, die
eigentlichen Geister zu outen, die ihn
um seinen Schlaf brachten und ins Chaos stürzten:
"Hallo, hier
spricht dein nicht austherapierter Kumpel. Ja, ja ich weiß, ich melde mich
immer nur bei paranoiden Schüben und hätte mich längst schon mal wieder so
rühren sollen", entschuldigte sich Johannes nicht wirklich ernst gemeint
und ohne Peter Kühn zu Wort kommen zu lassen.
"Ich geben
zu, unser Leben wäre ohne Menschen wie dich triste und öd. In welchem Netzwerk
hast du dich denn diesmal verfangen?"
"Ich habe mir
48 Stunden Zeit gelassen, um möglichst alle Winkel meines Matschhirns zu
durchforschen. Vorgestern in den Tagesthemen habe ich in dem Bericht über das
Berufungsverfahren gegen Mottasadeq jemanden gesehen, der da irgendwie nicht
hingehört hat. Ich habe mir die Berichte in verschiedenen Versionen herunter
geladen und durch alle meine Programme laufen lassen. Für mich besteht kein
Zweifel, dass das ein Mann ist, den ich vor etwa zwei Jahren bei einem Kongress
in Tel Aviv als Türsteher vor einem Hotel getroffen habe. Der Mann hatte ein
Namensschild an der Livree auf dem Karim stand. Er war augenscheinlich Israeli,
las aber in seiner Freizeit den Koran - auf Arabisch."
"Na ja. da
wird einer einen Studentenjob verrichtet haben, und jetzt ist er vielleicht
Berichterstatter, Prozessbeobachter oder sonst etwas."
"Aber weshalb
sollte so einer, der definitiv zu den schönsten Männern gehört hatte, die ich
je gesehen habe, sein Aussehen so radikal verändern, dass ich erinnerungsmäßig
in Bruchteilen einer Sekunde nur an seiner eigenartigen Augenpartie hängen
geblieben bin?"
"Wie groß ist
eigentlich die Wahrscheinlichkeit, dass ein paranoider Typ wie du schon wieder
auf etwas Verdächtiges gestoßen ist?“
"Ouu, das mit
der Wahrscheinlichkeit ist ein tolles Stichwort. Eigentlich habe ich dich schon
längst wegen einer viel wichtigeren Merkwürdigkeit anrufen wollen, aber ehrlich
gesagt, da hätte ich mich nicht getraut. Wie wahrscheinlich ist es nämlich
deiner Ansicht nach, dass aus einem Netzwerk innerhalb von wenigen Monaten
beziehungsweise Jahren zu stets passenden Terminen drei Schlüsselfiguren
verschwinden beziehungsweise überraschende Tode sterben?
"Das kann schon mal aus purem Zufall
passieren. Und offenbar ist ja auch nichts dran, sonst hätten bestimmt
Ermittlungen stattgefunden, und du würdest daraus nicht Hirngespinste machen
müssen, die du nun mir erzählen kannst."
"Wenn ich aber definitiv wüsste, dass
der erste Fall nautisch nicht vollkommen spurlos hätte passieren können, der
zweite tatsächlich ein als Freitod
getarnter Mord war, und der Dritte Mann mir als Kerngesunder noch einen Brief
mit kryptischem Inhalt geschrieben hatte, der noch unterwegs war, als er an
einem Aneuyrisma von einer Minute auf die andere starb?
"Erzähl!"
Und Johannes erzählte hektisch, atemlos und
ohne Punkt und Komma aber mit chronologischer Präzision: Von Wolfgang Lindau,
dem ehemaligen Box-Weltmeister, der als Elektronik-Unternehmer Wolf Grau
Millionen verdiente, die er im Hamburger Hafen investieren wollte, aber dann ohne
erkennbaren Grund Selbstmord beging. Von "Il Mulo" und von dem in der
Kroatischen Adria verschollenen Schatzmeister jener Organisation, die er
beriet und den er vor seinem Verschwinden vor möglichen Verstrickungen gewarnt
hatte. Dann schweiften seine Gedanken ab zu all den Merkwürdigkeiten, die ihm
seit seiner Reise nach Jamaika zugestoßen waren…
"Kannst du dir vorstellen, dass es eine
Art von Killern gibt, die nie - so nennt man das doch - einen nassen Job
verrichten", unterbrach Johannes, der dem Redeschwall von Kühn für eine
unbestimmte Zeit gar nicht zugehört hatte.
"Sag mal hörst du mir überhaupt zu? Ich wiederhole noch
einmal, wenn du von einer Reihe von Straftaten definitiv Kenntnis hast und auch
den oder die Täter kennst, bist du von Rechts wegen verpflichtet, diese
anzuzeigen. Und ja! Vermutlich gibt es in jedem Jahr einen Haufen so genannter
'natürlicher Todesfälle', hinter denen sich in Wahrheit ein Mord verbirgt. Nimm
allein die ganzen Pflege-Täter der letzten Jahre, die sich selbst zu Sterbehelfern autorisiert haben. Ein
kenntnisreicher Auftragskiller, der in speziellen Situationen nur ein wenig
nachhelfen muss, wäre natürlich der Alptraum für die Ermittlungsbehörden. KGB
und Mossad haben solche Leute beschäftigt, aber das ist gute 20 Jahre her. Vor
allem der Zeitfaktor macht solche Komplotte oft zu perfekten Verbrechen.
Verstehst du jetzt, weshalb ich so scharf reagiere."
"Ja, schon! Aber die Sache hat einen
Haken. Ein Aneurysma - das habe ich nachgegooglet - kann innerhalb von Stunden
entstehen und platzen. Im ersten Fall ist der Täter tot und kann sich nicht
mehr verteidigen. Er wurde selbst Opfer eines offenkundigen Mordes. Ich mache
mir nicht Sorgen um meine eigene körperliche Unversehrtheit, sondern um meinen
Seelenfrieden. Lach bitte nicht, aber das hat auch eine religiöse Komponente
für mich. Ich brauche Bedenkzeit und muss mich noch mit einem Schemen aus der Vergangenheit beraten."
"Manchmal habe ich echt wieder das
Gefühl, du tickst irgendwie nicht richtig! Aber gut. Wie wollen wir
verbleiben?"
"Ich habe da eine wirkliche Instanz für
Gewissensfragen. Wenn die mich freispricht, nenne ich dir alle Namen. Und du
versuchst mal herauszufinden, was es mit diesem Karim auf sich hat. Ist das ein
Deal? Da verjährt ja nix!"
"Gut, ruf du nicht an, ich rufe dich
an!"
Mottassadeq wurde am 19.
August 2005 erneut, aber nur noch zu sieben Jahren verurteilt. Das juristische
Gezerre war bis zum Januar 2007, da er Karim bei den Bericht im Hintergrund
entdeckt hatte, weiter gegangen. Das ursprünglich verhängte Höchstmaß von 15
Jahren wurde als rechtens bestätigt. Aber bis Ende März hatte Kühn immer noch
nicht angerufen, was gar nicht seiner Art entsprach. Johannes realisierte das jedoch
gar nicht mehr so richtig, weil er mitten in einem Überlebenskampf steckte.
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