Öl auf Leinwand
Der Alkohol ist stets ein guter aber auch verhängnisvoller Freund beim Schreiben. Das gilt für Autoren und Autorinnen. In meinen Anfangsjahren als Schreiberling hinderte mich eine Gelbsucht daran, die ich mir beim zivilen Ersatzdienst eingefangen hatte, ihn zur Hilfe zu rufen. Aber dann kamen die großen Storys, die ich vorwiegend nachts schrieb. Am morgen war dann der Aschenbecher voll und der Whisky alle. Verteufelte Autoren-Romantik! Als Muttersöhnchen war ich immer der Meinung alkoholisierte Frauen seien eher die Ausnahme und betrunkene machten mich eines ums andere Mal hilflos. Männer saufen sich platt, Frauen entblößen in so einem Zustand oft ihre Seelen. Weil ich dann nicht selten eine Art Beichtvater wurde, war das lange mein Vorurteil. Es wäre mir daher nie in den Sinn gekommen, eine derartige Situation auszunützen. Bei einem Abendessen unter Kollegen begegnete ich dieser exzellenten Autorin, die nur noch schreiben konnte, wenn sie genug getrunken hatte. Wieder ein Trigger-Moment: Danach schrieb ich nur noch ohne Alkohol. Was aber nicht bedeutete, dass ich einen gelungenen Text danach nicht mit einer schönen Flasche Wein belohnte...
P.S. Ich weiß nicht, ob sie noch lebt, denn ich habe leider ihren Namen vergessen. Das Bild entstand ein paar Jahre später. So wie ich mich an das Gesicht im Kerzenschein erinnerte
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