Donnerstag, 4. Juli 2024

Bild-Geschichten 2

 


Absinthe

Öl auf Leinwand

Der Alkohol ist stets ein guter aber auch
verhängnisvoller Freund beim Schreiben.
Das gilt für Autoren und Autorinnen.
In meinen Anfangsjahren als Schreiberling
hinderte mich eine Gelbsucht daran,
die ich mir beim zivilen Ersatzdienst
eingefangen hatte, ihn zur
Hilfe zu rufen. Aber dann kamen die
großen Storys, die ich vorwiegend nachts
schrieb. Am morgen war dann der
Aschenbecher voll und der Whisky alle.
Verteufelte Autoren-Romantik!
Als Muttersöhnchen war ich immer
der Meinung alkoholisierte Frauen
seien eher die Ausnahme und betrunkene
machten mich eines ums andere Mal hilflos.
Männer saufen sich platt, Frauen entblößen
in so einem Zustand oft ihre Seelen. Weil ich
dann nicht selten eine Art Beichtvater
wurde, war das lange mein Vorurteil. Es wäre mir
daher nie in den Sinn gekommen, eine
derartige Situation auszunützen.
Bei einem Abendessen unter Kollegen
begegnete ich dieser exzellenten 
Autorin, die nur noch schreiben konnte,
wenn sie genug getrunken hatte.
Wieder ein Trigger-Moment:
Danach schrieb ich nur noch ohne
Alkohol. Was aber nicht bedeutete,
dass ich einen gelungenen Text danach
nicht mit einer schönen Flasche Wein belohnte...


P.S. Ich weiß nicht, ob sie noch lebt,
denn ich habe leider ihren Namen vergessen.
Das Bild entstand ein paar Jahre
später. So wie ich mich an das Gesicht  im Kerzenschein erinnerte

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