Donnerstag, 31. Oktober 2024

Bilder-Geschichten 57

Öl auf Leinwand, Planegg 1989




Das Mädchen vom
Eiin El Agder

Der Männer-Geschmack der Frauen weltweit
war zu meiner Reporter-Zeit höchst unterschiedlich.
Während mir die Frauen zuhause eher
selten Avancen machten, war mein Typ
von der Damenwelt gefragter, je weiter
ich nach Süden, Osten und auch in den Wilden Westen reiste.
Das war sowohl für die Damen
als auch für mich oft nicht ganz ungefährlich.
Bei dem Beduinen-Mädchen nahe dem
Heiligtum Eiin El Agder auf der Sinai-Halbinsel
male ich mir noch heute die Verwicklungen
aus, zu der die Tatsache geführt hätte,
dass die Tochter des Sheiks für
mich ihren Schleier gellüftet hatte, damit ich sie
in dieser Pose fotografieren konnte...
Nach der Übernachtung in dessen Gästehütte
waren 
wir auf einen nahen Berg gestiegen,
um Jahrtausende alte Stelen und
Überreste eines Tempels aus der
Zeit der Pharaonen zu besuchen.
Das Licht war gespenstisch, weil ein
Staubschleier die Sonne dazu brachte,
das normale rötliche Oker der Wüste
mit einer Zucker-und-Zimt-Glasur zu überzi
ehen.
Ich hatte beim Fotografieren gar nicht gemerkt,
dass ich weit hinter den Rest der Gruppe
im steilen Gelände zurück gefallen war, und
das Mädchen, das vielleicht 13, 14 Jahre
alt war, mich offenbar besorgt holen kam.
Da stand sie plötzlich vor mir und zog
mit diesem provozierenden Blick
ihren Schleier zur Seite. Ein Anblick, der
mich noch heute mit der Frage beschäftigt,
was aus ihr wohl geworden sein mag-
Wenn ich mich noch recht erinnere,
entstand das sehr blasse Foto kurz vor Weihnachten 1986.
Mirakel des Malens: auf meinem farbintensiven
Gemälde bleibt sie immer ein Teenie.
Wenn sie das karge Leben , in dem
die Frauen dort so schnell verblühen, 
überlebt hat,
ist sie heute Mutter oder gar Großmutter.
Aber sie könnte mit ihrem Clan auch Multimillionärin sein.
Falls ihr Vater mittlerweile seine Wasserrechte
teilweise abgetreten hat. Unter seinem weiten Stammes-Gebiet
wurde nämlich damals schon die größte
Süßwasser-Caverne Arabiens seismisch  geortet;
etwa von einer Kubikmeter-Zahl,
die der des Bodensees entsprochen hätte.
Ich habe kaum jemals köstlicheres Wasser getrunken
als aus dem Ziehbrunnen neben seinem Gästehaus..

 

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