Öl auf Leinwand, Planegg 1989
Das Mädchen vom Eiin El Agder
Der Männer-Geschmack der Frauen weltweit war zu meiner Reporter-Zeit höchst unterschiedlich. Während mir die Frauen zuhause eher selten Avancen machten, war mein Typ von der Damenwelt gefragter, je weiter ich nach Süden, Osten und auch in den Wilden Westen reiste. Das war sowohl für die Damen als auch für mich oft nicht ganz ungefährlich. Bei dem Beduinen-Mädchen nahe dem Heiligtum Eiin El Agder auf der Sinai-Halbinsel male ich mir noch heute die Verwicklungen aus, zu der die Tatsache geführt hätte, dass die Tochter des Sheiks für mich ihren Schleier gellüftet hatte, damit ich sie in dieser Pose fotografieren konnte... Nach der Übernachtung in dessen Gästehütte waren wir auf einen nahen Berg gestiegen, um Jahrtausende alte Stelen und Überreste eines Tempels aus der Zeit der Pharaonen zu besuchen. Das Licht war gespenstisch, weil ein Staubschleier die Sonne dazu brachte, das normale rötliche Oker der Wüste mit einer Zucker-und-Zimt-Glasur zu überziehen. Ich hatte beim Fotografieren gar nicht gemerkt, dass ich weit hinter den Rest der Gruppe im steilen Gelände zurück gefallen war, und das Mädchen, das vielleicht 13, 14 Jahre alt war, mich offenbar besorgt holen kam. Da stand sie plötzlich vor mir und zog mit diesem provozierenden Blick ihren Schleier zur Seite. Ein Anblick, der mich noch heute mit der Frage beschäftigt, was aus ihr wohl geworden sein mag- Wenn ich mich noch recht erinnere, entstand das sehr blasse Foto kurz vor Weihnachten 1986. Mirakel des Malens: auf meinem farbintensiven Gemälde bleibt sie immer ein Teenie. Wenn sie das karge Leben , in dem die Frauen dort so schnell verblühen, überlebt hat, ist sie heute Mutter oder gar Großmutter. Aber sie könnte mit ihrem Clan auch Multimillionärin sein. Falls ihr Vater mittlerweile seine Wasserrechte teilweise abgetreten hat. Unter seinem weiten Stammes-Gebiet wurde nämlich damals schon die größte Süßwasser-Caverne Arabiens seismisch geortet; etwa von einer Kubikmeter-Zahl, die der des Bodensees entsprochen hätte. Ich habe kaum jemals köstlicheres Wasser getrunken als aus dem Ziehbrunnen neben seinem Gästehaus.. |
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