Mischtechnik Acryl, Öl, Bellini-Gold und Gouache, Castello um 2020
Mit Zuckerbrot und Peitsche
Vermutlich werden sich in ein paar Jahrzehnten nur noch wenige, elitäre Philosophie-Studenten mit Friedrich Nietzsche beschäftigen. Mein Lebenslauf wurde von dem stets heftig interpretierten Philosophen auf merkwürdig aphoristische Weise immer wieder tangiert. Im Rückblick denke ich da an Vorsehung : Es begann damit, dass ich als Verlagslehrling im dritten Jahr in der Herstellung die Druck-Fahnen einer Taschenbuch-Neuauflage von "Also sprach Zarathrustra" mit Tipometer und Bleistift umbrechen musste. Heute geht das mit dem Computer auf Knopfdruck, aber damals musste man - wenn Seiten-Kopf und -Fuß nicht glatt begannen oder endeten - bei Werktreue als Vorgabe detailliert lesen, um "Schusterjungen" und "Hurenkinder" zu vermeiden... Ich stand damals mehr auf Hermann Hesse. Aber dann blieb von dieser "Zwangslektüre" doch überraschend viel hängen, obwohl ich Nietzsche da schon nicht ganz folgen konnte und vieles für überholtes Altmänner-Geschwafel hielt. Keine zwei Jahrzehnte später trat eine junge Frau leider viel zu kurz in mein Leben, die unter international anerkannter, fachlicher Beurteilung eine mit magna cum laude ausgezeichnete Doktorarbeit über Nietzsches "vita femina" verfasst hatte. Sie konnte aber überqualifiziert dennoch keine Arbeit finden und hatte sich als Chef-Sekretärin bei mir beworben. Um es kurz zu machen: Sie verließ mich als beste Schlussredakteurin ever ein paar Jahre später, um in Berlin ein Buch zum Tempelhof-Jubiläum heraus zu geben. Kurze Zeit später starb sie - quasi wie ein Kind den "Sudden Infant Death". Für immer sind mir unsere meist witzigen Interpretations-Kabbeleien über diverse Aphorismen in Erinnerung geblieben. Vor allem wenn es um Nietzsches viel zitierten Spruch ging: "Wenn du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht!" Ich bin immer noch der Meinung, dass er damit die "Geißel" Syphilis meinte, an der der Philosoph kläglich eingegangen ist. Aber es war eben auch die Zeit von Bismarcks Politik mit "Zuckerbrot und Peitsche", unter der Intellektuelle im 19. Jahrhundert zu leiden und gegen die sie sich verklausuliert zu wehren hatten. Mein ironisch gemeintes Bild, war eigentlich zu meinem Manuskript "Strohfeuer" gedacht (hier in diesem Blog veröffentlicht), in dem ich ihrem weiblichem Genie als Figur in meiner Erzählung ein Denkmal setzen wollte. |
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen