Jetzt kommen wieder die Fragen "bist du das?", "sind das echte Erlebnisse?", "warst du da überall?"...
Deshalb hier jetzt ein paar erläuternde Informationen:
Ziel war es einen Entwicklungsroman über eine Figur zu verfassen, die die 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland aus verschiedensten persönlichen Blickwinkeln zum Teil sehr hautnah mit erlebt. Immerhin ist das eine historisch einmalige Zeitspanne ohne Krieg auf eigenem Boden gewesen.
Ein literarischer Versuch war es, das Buch aus abgeschlossenen Einzelgeschichten so zusammen zu stellen, dass sie in beliebiger Reihenfolge zu lesen wären. Dass sie sich dennoch so verzahnt haben, liegt wohl daran, dass ich den Reporter bei dieser Art zu Schreiben nicht ganz aus mir herausbekommen habe.
Der Held trägt den Namen meines Großvaters mütterlicherseits als Hommage an einen Mann, der meine Kindheit sehr geprägt hat. Ich habe Johannes mit 90 Prozent meiner Erlebnisse und 10 Prozent meiner Phantasie ausgestattet. Was die Weibergeschichten angeht, war er jedoch deutlich aktiver. Auch bin ich nicht von meiner sehr toleranten Frau, die mir mein wildes Reporter-Leben erst ermöglichte, geschieden. Und um nichts in der Welt hätte ich meine beiden Kinder je im Stich gelassen - wie das viele meiner Kollegen geglaubt haben, ihrem Job schuldig zu sein..
Die Personen der diversen Handlungen sind verfälschte wahre Existenzen. Da ich Namedropping und Angebereien, wen man alles kennt, zutiefst verabscheue, habe ich mit Ausnahme des Bürgermeisters von Shanghai alle Namen geändert. Um ein Beispiel zu geben und doch noch ein wenig anzugeben: Johannes hat nur Richard von Weizsäcker getroffen, während ich auch mit dem Bundespräsidenten Scheel, Carstens und Herzog zu tun hatte. Aus der Hand des Letzteren erhielt ich in der Villa Hammerschmidt sogar eine Auszeichnung...
Jojo existierte tatsächlich unter seinem wahren Namen - dem eines spanischen Granden (wie bei vielen aus der philippinischen Oberschicht) - und er begleitete mich auch auf meiner zweiten Reise während des letzten "Wahlkampfes" der Ära Ferdinand Marcos. Aber er war weder Transgender, noch schwul. Das ist eine kleine Rache an ihm, weil er mich vor Einheimischen in der Landessprache Tagalog süß lächelnd gerne mit Schatzi ansprach... Dadurch hat er mich überhaupt erst auf die Idee für diese Figur gebracht. Das nicht ungefährliche Gespräch mit dem Innenminister über das straußsche Pistolen-Geschenk an Marcos hat übrigens tatsächlich so stattgefunden.
Thora hat unter ihrem Allerwelts-Familiennamen und natürlich einem anderen Vornamen zu den Weltklasse-Fotografinnen der 1970er gehört. Der Schmerz, dass ich ihr letztlich nicht helfen konnte, sitzt immer noch tief. Damit sie nicht in Vergessenheit gerät, habe ich unsere tatsächliche Geschichte hier Johannes aufgebürdet.
Die Klassenkameraden und ihre Lebensumstände haben als Typen - wie beschrieben - existiert. Nur habe ich ihre späteren Lebensläufe dramatisch verändert. Gaby hat mir allerdings tatsächlich die Erkenntnis vermittelt, dass das sanfte Streicheln ihrer Unterarme mit den Fingerkuppen bei fast allen Frauen später ein wirklicher Ankommer war.
Schuster Sanders war - wie Johannes zugeschrieben - eine prägende Figur meiner Kindheit in Hamburg.
Dr. Mausele hat mir zwar das Leben gerettet, aber mir natürlich in Wirklichkeit nichts hinterlassen. - Und ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob ich seinem Andenken mit den erfundenen Verstrickungen in die "Dienste" in irgend einer Art gerecht werde...
Ronny ist das Konglomerat aus diversen, existiert habenden DDR-Kollegen. Einem davon hatte ich es wohl zu verdanken, dass ich nie in die DDR einreisen durfte. Seine begleitende Rolle in dieser Geschichte ist komplett erfunden. Auch das Handball-Turnier in Kolin habe ich mir ausgedacht, nicht aber die halbnackte Begegnung mit den Handballerinnen im Schlafraum des Eisstadions. Sie fand aber deutlich vor dem Prager Frühling statt.
Tobi hat mir die Geschichte von der Bestattungs-Zeremonie seines Bruders an einem Lagerfeuer in der Nähe des JimJim-Billabongs im Kakadu-Nationalpark erzählt. Zu der Feier hätte der tatsächliche Clan-Chef allerdings einen Weißen niemals eingeladen.
Jack ist eigentlich eine legendäre Figur des australischen Dichters Jack Davis und wird in dessen "The Black Poems" besungen. Während meines Aufenthaltes auf Kangaroo Island arbeitete dort ein weißer Park-Ranger mit Vornamen Jack, der das Spurenlesen (blacktracking) bei den Aboriginals erlernt hatte und deshalb von allen Insulanern so genannt wurde. Den Plot habe ich aus drei Kriminal-Fällen, von denen er mir erzählt hat, zusammengebastelt. Lobster-Monster Alf Ramsey - wenn er denn noch lebt - würde sich sicher freuen, ein Held dieser Erzählung zu sein.
Ed ist unter einem anderen bürgerlichen Namen der wahre Partner des legendären Serpico beim NYPD gewesen. Allerdings habe ich mit ihm nicht die Nacht auf Streife in der Lower Eastside verbracht, sondern das war ein amerikanischer Fotograf in meinem Auftrag. Ich lernte Ed erst danach auf einer "Party" in seiner Zweit-Heimat Oberbayern kennen. Der Carnival auf Trinidad war unsere einzige gemeinsame Reportage deren Begleitumstände von Johannes eins zu eins nacherlebt wurden. Ed (jetzt in den 80ern) bombardiert mich bis heute mindestens einmal pro Woche aus dem Internet mit seinem very strange sence of humor.
Den Hanegg-Schuss durfte ich unter Aufsicht bei Renn-Bedingungen tatsächlich für meine beinahe weltweit erschienene Playboy-Story "Zum Teufel mit dem Tod" befahren. Allerdings zehn Jahre bevor Bill Johnson das Lauberhorn-Rennen gewann. Die angegebene Spitzengeschwindigkeit von Johannes habe ich allerdings selbst noch nicht einmal auf dem untersten Teil der Mess-Strecke vom Kilometro Lanciato oberhalb von Cervinia erreicht (nachzulesen in meinem Buch "Abenteuer Skilauf - von Nansen bis Thöni").
Die Dramen der desperaten Damen werden, wenn mir die Zeit noch bleibt, in einem anderen Roman erörtert werden. Andeutungsweise werden sie sich hier schon - so sie den Blog besuchen - trotz der enorm verfälschten Charaktere erkannt haben.
Asta hat als Passion von Johannes in der Erzählung nur einen anderen Namen. In Wirklichkeit gehört sie wohl immer noch zu den intelligentesten Frauen auf diesem Planeten.
Sorry Daffi und Sefi, dass ich Euch so ein Mossad-Appeal verliehen habe. Ihr habt doch nur Euren Job gut machen wollen.
Die Masters Of The Universe Pete und Greg sind angelehnt an Spitzenmanager, die ich zwar beruflich traf, die aber so einem kleinen Licht wie mir nie ein Job-Angebot gemacht hätten. Solche Leute hassen Journalisten. Die Begebenheiten waren aber so ähnlich.
Egidius trägt die Züge des Pastors, der mich konfirmiert hat und später eine wichtige Persönlichkeit in der EKD war. Entschuldigung, dass ich beim Abendmal damals so gelacht habe! Der "Marabu" hat aber tatsächlich so geknirscht und gegurgelt. Allerdings habe ich ihn nach der Konfirmation auch nie mehr wieder gesehen.
Ob Boris - Onkel Boris - so oder anders hieß, ist letztlich egal, denn in Operationen hießen Leute seines Schlages, die ja zum Teil tatsächlich direkte Nachbarn in meiner Jugend waren, sowieso so, wie es der Anlass verlangte. Die Vorlage für Boris war allerdings wirklich derart schillernd, dass er eine Ausnahme darstellte. Ansonsten war die "dienstliche" Nachbarschaft aber vorsätzlich und unauffällig spießig. Nix 007 oder so...
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