Freitag, 6. September 2024

Bilder-Geschichten 32

Öl auf Leinwand, Fakse Ladeplads, Dänemark 1984


Mogul mit Kakadu

Ich hatte auf der ausgedehnten 
Indien-Reise fünf Jahre zuvor
vor dem Flug nach Hause
einen angeblichen Mogul-Pfau
bei einem meinem Reisebegleiter
vertrauten Antiquitäten-Händler
erworben. Von Anfang an
hatte ich zweierlei Bedenken:
Wieso brauchte ich keine
Ausfuhrpapiere und weshalb
war der Preis so günstig gewesen?
Damals gab es noch kein Internet
fürs Nachrecherchieren. Also
hatte ich beim Familien-Urlaub
in Dänemark Lektüre über die
Zeit der Mogul-Herrschaft
auf dem Indischen Subkontinent dabei.
Je mehr ich über diese las,
desto mehr war mir klar, dass
mein Pfau nie und nimmer aus
der Zeit stammen konnte,
als das Mogul-Reich um 1700
fast ein Drittel der damaligen
Weltbevölkerung in
seinen Grenzen versammelte.
Zudem war ich inzwischen
im Bildschnitzer-Dorf Ubud
auf Bali gewesen, wo im 
Mogulstil Tiere aus Palmenholz
geschaffen wurden, die auf die 
gleiche Weise zerlegt werden
konnten wie mein Pfau.
Ich habe mich wegen des Kaufs
dennoch nie gegrämt, weil ich
in Ubud zu ihm passend ein
Schaukelpferd, eine Gazelle und
merkwürdige Vögel
für Deine Mutter und Deinen
Onkel gekauft habe.
Die Schiffsfracht hat dann
inklusive Verkaufspreis in etwa
soviel gekostet wie der Pfau in Delhi.
Das Ensemble - mit Ausnahme,
des lebensgroßen und daher stets
zu gefährlichen Schaukelpferdes -
steht nun seit 45 Jahren dekorativ
hier auf der Burg in der "Salla".
Und es reut mich kein Bisschen.
Der anhand von Beschreibungen
am Ostsee-Strand  aus meiner
Phantasie entstandene Mogul
hingegen erfreut seither
majestätisch unsere Essensgäste
 aus  "aller Herren" Länder...


 

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