Samstag, 28. September 2024

Bilder-Geschichten 41

Öl auf Leinwand, gespachtelt, Castello 2001


Aloe Vera

Dieses ist tatsächlich das erste
Bild, nachdem in in Ligurien
wieder mit dem Malen 
angefangen habe. Ich war wegen
anstehender Handwerkarbeiten
für einige Tage auf der Burg,
als mir dieses seltene Natur-Ereignis
am Ende des Winters widerfuhr:
Auf dem Höhenweg entlang
des Steilufers unterhalb von
Porto Maurizio stand über
mir dieser Wald aus blühenden
Kerzen der Aloe Vera. 
Noch weiter oben breitete die
schneeweiße Christus-Statue
ihre Arme aus, als wollte
sie diese Pracht auf einmal pflücken.
Jahre später war es mir zu
Gewohnheit geworden, nach
dem Baden in der kleinen Bucht von
Borgo di Foce unterwegs einige
Blätter abzubrechen, um mir
mit deren Saft einen möglichen
Sonnenbrand zu kühlen.
Das ist besser als jede Lotion
und wirkt sofort lindernd.
Auch muss man dabei kein schlechtes
Gewissen haben, denn in so einer
Ideal-Lage wuchert die genügsame 
Aloe Vera wie Unkraut:
Sowohl unter der Erde durch
ihre zahlreichen Ableger aus ihren
Wurzeln als auch  durch hunderte
 von Samen aus ihren dichten Dolden.

 

Donnerstag, 26. September 2024

Bilder-Geschichten 40

 

Traumbild, Öl auf Leinwand, Castello um 2014



Der traurige Fischer
vor der Insel
der Glückseligkeit

Ich war einst dazu angehalten,
ein paar Mal pro Woche
meine Träume aufzuschreiben.
Damit sollte meine Seele gesunden.
Manche Träume waren so bunt,
dass es besser gewesen wäre,
sie zu malen. Bei einigen habe
ich das geschafft, aber,
viel farbenprächtigere hätten
das auch verdient gehabt. 
So kreisen sie immer noch  in
meiner Erinnerung herum.
Ich habe wohl an die hundert
Inseln in meinem Leben bereist.
 Oft war ich auch ein trauriger,
weil nicht sehr erfolgreicher
Fischer.  - Dennoch habe ich auf
dem Meer meist meine 
glücklichsten Momente gehabt.
Auch Segeln war so eine Leidenschaft.
Von Feen, Lichtgestalten und Elfen
habe ich leider nur geträumt.
Dieses mir heute selber 
mystisch erscheinende Bild ist ein
"Psychodelischer Cocktail" meiner selbst.
Aber als ich es malte, war ich nicht "high"!



Montag, 23. September 2024

Bilder-Geschichten 39


 

Selbstbildnis, Öl auf Leinwand, Planegg 1984


Der Hofnarr

Dieses Selbstbildnis entstand in
den ersten Lebensjahren deiner Mutter
und nachdem auch dein Onkel
das Licht der Welt erblickt hatte.
Es stellt mich und meine damalige
Situation mit einiger Ironie
infrage:  freiberuflicher
Alleinverdiener mit gerade
erworbenen Reihenhaus im
Münchner Speck-Gürtel,
und dann auch noch zwei Kinder?
Nur ein Narr geht solche Risiken ein.
Es wäre leicht, zu sagen,
wer nicht wagt, der nicht gewinnt!
Gewonnen zwar, aber auf Kosten
der Kinder. Ich hätte ein
besserer Vater sein müssen.
Wie gut, dass es deine
fürsorgliche Oma gab.

Samstag, 21. September 2024

Bilder-Geschichten 38

Aquarell auf Bütten um 2011

Gewitter über Porto Maurizio

Manchmal, wenn ich mit meinem
Fischerboot zu weit draußen war,
ging es mir - wie auf diesem Aquarell -
mit dem aufziehenden Gewitter fast zu schnell.
So bald sich an der Kimmung
das Wasser schwarz verfärbt, heißt es 
unverzüglich: Zurück in den sicheren Hafen!
Einmal war der Swell vor der Mole
 bereits so hoch wie die Kajüte meiner "L'Ultima".
Da surfte ich dann beim Einlaufen in den Hafen
regelrecht zur Pier hinunter...

Donnerstag, 19. September 2024

Bilder-Geschichten 37


DINA3- Plakat während Donald Trumps Präsidentschaft: Acryl auf Mal-Karton



The Starsprangled Copperhead

Irgend eine bissige Gehässigkeit
- verpackt in einer Lüge - muss
der POTUS da wieder einmal
raus gelassen haben, die mich
spontan  zu dieser Assoziation 
veranlasst hat. Aber der einst und
vielleicht bald wieder mächtigste
 Mann der Welt hat ja während
und nach seiner Amtszeit  so viele
Absurditäten von sich gegeben,
dass vermutlich auch Chronisten
den Überblick verloren hatten.
Wenn Du anfängst, politisch zu
denken, ist der Mann längst Geschichte.
Ob im Guten oder im Bösen
werde ich vermutlich nicht mehr
erleben. Mal sehen, ob ich
das Plakat in ein paar Monaten, 
nach dem ich das hier geschrieben habe,
wieder hervor holen muss.

Quelle: pixabay
Die Nordamerikanische Copperhead
ist keine tödliche Giftschlange.
Ihr Gift bereitet jedoch ziemlich
anhaltende Schmerzen und kann
zeitweise zu Verwirrungen führen


Dienstag, 17. September 2024

Bilder-Geschichten 36


 
Doppelgrafik Acryl, Gouache und Silber-Bronze auf Mal-Karton 2015

Die Flucht


Grafik zum Post vom 9.12.2015
auf dem Blog "Sterine aus den Glashaus"
die IMMIGRATION betreffend.
Schau doch mal nach, ob es den
noch gibt, wenn du das liest.
Ich hoffe, dann bist du als
gebürtiger Münchner
nicht oder nicht mehr wegen
deines Aussehens angefeindet worden...


Samstag, 14. September 2024

Bilder-Geschichten 35

Gouache, Kreide, Bleistift, Tuschfeder auf Malplatte: Castello Jahrtausend-Wende





Die Mitläufer

Meine grafischen Bilder
- meist politischer Natur - sind
abgesehen von "Digitally Your's" 
überschaubar und vergilben in
irgendwelchen Schubladen in München
oder Castello. "Die Mitläufer"
dürfte meine meistgesehene Grafik sein,
weil sie seit der Jahrtausend-Wende
immer wieder aktuell für Posts zu diversen
Situationen weltweit passte.
Es ist eines der wenigen meiner Bilder,
die bei euch in der Wohnung 
im Galerie-Gang hängen...

 

Mittwoch, 11. September 2024

Bilder-Geschichten 34

Claus Deutelmoser: Blick vom "Gatto Nero" auf Burano,  Aquarell 2005


Claus Deutelmoser: Sterbende Sehnsucht, Venedig, Digitally Your's 1990er

Venezia - vom Traum zum Alptraum

Diese beiden Bilder präsentiere ich deshalb
zusammen, weil mich die Digitalisierung
der Fotoapparate fast auf einen
kreativen Irrweg geführt hätte.
Als ich erstmals mit einer Disketten-Kamera
von JVC vom Vaporetto aus Bilder aufnahm,
wurde ich noch ungläubig bestaunt. Ich wusste,
dass die digitalen Fotos da noch zu keiner
Veröffentlichung taugten, aber sie beflügelten
meine Vorstellung, daraus mit Filtern
und Verfremdung eine eigene Form des Ausdrucks
zu entwickeln. Die nannte ich in Anspielung
an das Schreiben von Postkarten "Digitally Your's".

Aber so wie sich meine Sehnsucht nach der
Lagunenstadt bei meinen alljährlichen
Besuchen immer weiter durch den Rummel
der viel zu großen Kreuzfahrt-Schiffe
und den industriellen Dunst auflöste,
so drängte mich die Digitalisierung aus den
letzten Jahren meines fotografischen Schaffens.
Das Aquarell oben, das nach dem
letzten Besuch in meinem Lieblingsrestaurant
"Gatto Nero" auf der Insel Burano
entstand, war schon wie ein Befreiungsschlag
von "Digital Artwork" und jetzt drohender KI

Dienstag, 10. September 2024

Bilder-Geschichten 33

Öl auf Leinwand, Castello 2003

 


Herbst im Apennin

Wiedermal nur eine Momentaufnahme
im Kopf.  Ein kurzer Seitenblick
auf einer kurvigen Straße im
Licht der aufgehenden Sonne.
Keine Möglichkeit am Straßenrand
zu parken, um das ganze zu 
verinnerlichen. Den Ausblick, der ja
nicht weit von hier gewesen sein muss,
habe ich nie wieder gefunden.
Wenn ich aus dem Kopf male,
wirken meine Bilder immer so naiv.
Heile Welt eben, aber verwirrt
von der zusätzlich zu verinnerlichenden
Sprache - die falsche Bildunterschrift.

Im Italienischen wird der Apennin
Appennino geschrieben.
Also zwei Fehler in einem Wort!
Setzen sechs! Es ist aber eben auch nur
ein sehr kleines Bild aus der Erinnerung...
Ein, zwei Wochen noch, dann verkündete uns
die Verfärbung der Steineichen und Erlen, dass der
alljährliche, immer schmerzliche Aufbruch
in das andere Leben nahte.


Freitag, 6. September 2024

Bilder-Geschichten 32

Öl auf Leinwand, Fakse Ladeplads, Dänemark 1984


Mogul mit Kakadu

Ich hatte auf der ausgedehnten 
Indien-Reise fünf Jahre zuvor
vor dem Flug nach Hause
einen angeblichen Mogul-Pfau
bei einem meinem Reisebegleiter
vertrauten Antiquitäten-Händler
erworben. Von Anfang an
hatte ich zweierlei Bedenken:
Wieso brauchte ich keine
Ausfuhrpapiere und weshalb
war der Preis so günstig gewesen?
Damals gab es noch kein Internet
fürs Nachrecherchieren. Also
hatte ich beim Familien-Urlaub
in Dänemark Lektüre über die
Zeit der Mogul-Herrschaft
auf dem Indischen Subkontinent dabei.
Je mehr ich über diese las,
desto mehr war mir klar, dass
mein Pfau nie und nimmer aus
der Zeit stammen konnte,
als das Mogul-Reich um 1700
fast ein Drittel der damaligen
Weltbevölkerung in
seinen Grenzen versammelte.
Zudem war ich inzwischen
im Bildschnitzer-Dorf Ubud
auf Bali gewesen, wo im 
Mogulstil Tiere aus Palmenholz
geschaffen wurden, die auf die 
gleiche Weise zerlegt werden
konnten wie mein Pfau.
Ich habe mich wegen des Kaufs
dennoch nie gegrämt, weil ich
in Ubud zu ihm passend ein
Schaukelpferd, eine Gazelle und
merkwürdige Vögel
für Deine Mutter und Deinen
Onkel gekauft habe.
Die Schiffsfracht hat dann
inklusive Verkaufspreis in etwa
soviel gekostet wie der Pfau in Delhi.
Das Ensemble - mit Ausnahme,
des lebensgroßen und daher stets
zu gefährlichen Schaukelpferdes -
steht nun seit 45 Jahren dekorativ
hier auf der Burg in der "Salla".
Und es reut mich kein Bisschen.
Der anhand von Beschreibungen
am Ostsee-Strand  aus meiner
Phantasie entstandene Mogul
hingegen erfreut seither
majestätisch unsere Essensgäste
 aus  "aller Herren" Länder...


 

Donnerstag, 5. September 2024

Bilder-Geschichten 31

Öl auf Leinwand, Castello ca. 2005


Zeus und Europa 
haben es getan

Manchmal weiß ich selbst nicht mehr,
welche Auslöser ein Bildmotiv
ergeben haben. Auf der einen Seite
war da wohl die Euphorie über das
geeinte Europa. Auf der anderen 
- nach der vergewaltigenden Einführung des Euro -
 die Erkenntnis, dass wir alten Normal-Bürger 
wohl dem Gott des Geldes geop
fert wurden.
Aus Mark- und Lire-Preisen wurden binnen Jahresfrist
Euro-Preise, wodurch Altersvorsorge und Renten
plötzlich nur noch die Hälfte wert waren.
Da war dann auch die Goldgräber-Stimmung
bei den Immobilien hier oben am Ende.
Wieso ich in die Wut darüber aber
Elemen
te der Griechischen Mythologie
in dieses Bild einarbeitete,
ist mir immer noch schleierhaft...


 

Montag, 2. September 2024

Bilder-Geschichten 30

 

Öl auf Leinwand, Castello um 2002



Allein unter Katzen

In den Winterwochen, die wir damals
gerne auf der Burg verbrachten, weil
wir uns die absurden Gaspreise des
Monopolisten hier oben noch leisten
konnten, waren wir in den oft recht
gespenstischen Gemäuern meist
völlig allein: Mal bei Schnee, mal tagelang
vollkommen von Wolken und Nebel
umhüllt, aber auch bei strahlendem
Sonnenschein, der die Terrasse
gleich so aufheizte, dass wir nach dem
Sonnenbaden den ersten Sonnenbrand
behandeln mussten.
In jenen Tagen waren die herrenlosen Katzen
noch in einer kaum mehr zu
kontrollierenden Überzahl.
Mitunter sahen wir den verstorbenen
Bürgermeister heimlich  in der
Dämmerung mit einem zappelnden
Sack zum oberen Dorfrand verschwinden,
wo er im Überlauf des damals noch
fließenden Baches versuchte, der
vielen Würfe in den unbewohnten
R
uinen Herr zu werden...
Hunde waren hier um die Jahrtausend-Wende
kaum zu sehen. Es sei denn sie
waren herrenlose Streuner.
Auf der Piazza hingegen erlebten wir
eine verblüffende Harmonie im
Zusammenleben beider Spezies.
Irgendjemand hatte ihn Snoopy getauft.
Er war ein bei jedem bis ins Tal hinunter
geliebter, weil liebenswerter und
gar nicht aufdringlicher Schnorrer
von schwer zu ermittelnder Abstammung:
Ein Jagdhund-Dalmatiner-Spaniel-Mix,
schlau wie alle Promenadenmischungen.
Ein Charmeur, der wohl auch bei den
Katzendamen gut ankam. Kater vertrieb er
durch ein leises, aber bestimmtes
Knurren. Alle umlagerten mich 
mit einer Geduld, die dieses Ensemble
als Gemälde in Einzelstudien 
erst ermöglichte.
Eines Tages kam er nicht mehr auf
die Piazza, und kurze Zeit danach
hatte sich die Katzen-Population gegen
Null entwickelt. Heute hat nur
noch die leider an Parkinson erkrankte,
ehemalige Gymnasial-Lehrerin
eine scheue schwarze Katzen-Schönheit,
die aber jedem Trubel aus dem Weg geht.
Das Bild habe ich meiner
geschätzten Teilzeit-Nachbarin
und innigen Tierfreundin geschenkt,
die meinen Leserinnen und Lesern
unter ihrem "Nome de Plume"
Folletto-Buono bekannt ist.